Warum wir nach 9 Monaten wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind

Als wir in die Türkei ausgewandert sind, war für uns klar: Wir möchten dort ein neues Leben aufbauen.

Wir wollten Deutschland hinter uns lassen und hatten nicht vor, wieder zurückzukehren. Natürlich wussten wir, dass wir jederzeit nach Deutschland zurückkehren könnten, wenn es gar nicht anders gehen würde. Aber an diesem Gedanken wollten wir uns nie festhalten, denn für uns stand fest: Wir bleiben in der Türkei.

Doch manchmal kommt das Leben anders, als man es sich vorgestellt hat.

Wie wir bereits in unseren vorherigen Beiträgen erzählt haben, haben wir bei unserer ersten Auswanderung einige Fehler gemacht. Wir hatten zu wenig Informationen, wollten vieles zu schnell und mussten mehrfach umziehen. Dadurch haben wir leider auch viel Geld verloren.

Genau das wurde am Ende unser größtes Problem.

Unsere Rücklagen wurden immer kleiner und irgendwann waren sie komplett aufgebraucht. Wir hatten hohe Ausgaben, aber leider keine ausreichenden Einnahmen. Irgendwann mussten wir uns eingestehen, dass wir unter diesen Umständen keine Möglichkeit mehr sahen, langfristig in der Türkei zu bleiben.

Vor allem die Privatschule unserer Kinder war eine enorme finanzielle Belastung. Eigentlich konnten wir sie uns gar nicht leisten. Trotzdem wollten wir unseren Kindern die bestmögliche Bildung ermöglichen. Hinzu kam noch der private Kindergarten für eines unserer Kinder, der ebenfalls bezahlt werden musste.

Auch unsere vielen Umzüge haben uns finanziell stark belastet. Jeder Umzug kostete Geld, Zeit und Kraft. Rückblickend hätten wir uns deutlich mehr Zeit lassen und nicht alles sofort perfekt haben wollen.

Ein weiterer Punkt war die Jobsuche.

Bevor wir ausgewandert sind, hatten wir viele Stellenanzeigen für deutschsprachige Arbeitnehmer gesehen. Dadurch hatten wir den Eindruck, dass es in der Türkei genügend gut bezahlte Jobs für Deutsche gibt.

Die Realität sah leider anders aus.

Ja, es gibt viele Arbeitsplätze für deutschsprachige Menschen. Doch viele davon sind leider schlecht bezahlt. Wenn man Miete zahlen muss, vier Kinder versorgt und zusätzlich noch eine Privatschule sowie einen privaten Kindergarten finanziert, reicht dieses Einkommen oft einfach nicht aus.

Hinzu kam, dass ich die türkische Staatsangehörigkeit angenommen habe. Leider kam sie für uns zu spät. Mit der türkischen Staatsbürgerschaft ergeben sich deutlich mehr berufliche Möglichkeiten, doch zu diesem Zeitpunkt konnten wir davon leider nicht mehr profitieren.

Wenn wir heute ehrlich zurückblicken, dann lag unsere Rückkehr nach Deutschland ausschließlich an unserer finanziellen Situation.

Nicht, weil es uns in der Türkei nicht gefallen hat.

Nicht, weil wir unsere Entscheidung bereut haben.

Sondern weil wir irgendwann keinen anderen Ausweg mehr gesehen haben.

Die Türkei zu verlassen, ist uns unglaublich schwergefallen. Es war eine der schwierigsten Entscheidungen, die wir als Familie treffen mussten.

Wir hofften, dass wir in Deutschland zunächst etwas Unterstützung bekommen würden, finanziell wieder auf die Beine kommen und uns langsam ein neues Leben aufbauen könnten.

Was viele vielleicht auch nicht wissen: Wir sind zwar nach Deutschland zurückgekehrt, aber nicht zurück in unsere alte Heimat.

Eigentlich kommen wir aus Berlin. Doch anstatt dorthin zurückzugehen, entschieden wir uns für einen kompletten Neuanfang in Nordrhein-Westfalen – in einem Bundesland, zu dem wir vorher überhaupt keinen Bezug hatten.

Wir kannten dort niemanden, hatten keine Familie und mussten wieder ganz von vorne anfangen. Rückblickend war das fast wie eine zweite Auswanderung – nur eben innerhalb Deutschlands.

Warum wir diese Entscheidung getroffen haben und weshalb wir ausgerechnet nach Nordrhein-Westfalen gezogen sind, erzählen wir euch in einem eigenen Beitrag.

Doch leider kam auch in Deutschland vieles anders, als wir es uns vorgestellt hatten.

Warum wir trotz unserer Rückkehr heute wieder kurz davor stehen, ein zweites Mal in die Türkei auszuwandern und weshalb Deutschland am Ende doch nicht die Lösung für uns war, erzählen wir euch im nächsten Beitrag.

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