Die Fehler, die wir bei unserer Auswanderung gemacht haben – und was wir daraus gelernt haben

Wenn man an eine Auswanderung denkt, stellt man sich oft das neue Leben vor. Man denkt an Sonne, Freiheit, einen Neuanfang und all die Möglichkeiten, die vor einem liegen.
Doch was viele nicht sehen: Auf dem Weg dorthin macht man Fehler.
Auch wir haben Fehler gemacht. Manche waren klein, andere haben uns Zeit, Nerven und manchmal auch Geld gekostet. Heute können wir offen darüber sprechen und daraus lernen. Genau deshalb möchten wir unsere Erfahrungen mit euch teilen.
Vielleicht helfen unsere Fehler anderen Familien dabei, besser vorbereitet in ihr eigenes Abenteuer zu starten.
Wir haben uns nicht ausreichend informiert
Einer unserer größten Fehler war, dass wir uns nicht ausreichend informiert haben.
Damals gab es nur wenige Informationen zur Auswanderung in die Türkei. Und ehrlich gesagt hat sich daran bis heute nicht viel geändert. Natürlich findet man einzelne Beiträge oder Videos, aber viele wichtige Fragen bleiben unbeantwortet oder die Informationen sind veraltet.
Auch wir mussten vieles mühsam zusammensuchen oder selbst herausfinden. Dadurch sind wir in einige Situationen ziemlich unvorbereitet hineingegangen.
Heute würden wir deutlich mehr Zeit in die Vorbereitung investieren und uns noch intensiver mit vielen Themen beschäftigen.
Wir wollten zu schnell zu viel
Ein weiterer Fehler war, dass wir sofort alles perfekt haben wollten.
Wir wollten direkt das schönste Haus, den perfekten Alltag und am besten sollte vom ersten Tag an alles funktionieren.
Heute wissen wir, dass das völlig unrealistisch ist.
Eine Auswanderung braucht Zeit. Man muss erst ankommen, sich orientieren und ein neues Leben aufbauen. Man kann nicht erwarten, dass vom ersten Tag an alles perfekt läuft.
Rückblickend hätten wir uns deutlich mehr Zeit lassen sollen.
Wir hatten ein Bild im Kopf – und die Realität sah anders aus
Wie wahrscheinlich viele Auswanderer haben auch wir uns unser neues Leben vorher ganz genau vorgestellt.
Wir hatten Bilder im Kopf, Vorstellungen davon, wie unser Alltag aussehen würde und wie schnell wir uns einleben würden. Wir dachten, wir hätten an alles gedacht und wüssten ungefähr, was auf uns zukommt.
Doch die Realität hatte ihre eigenen Pläne.
Viele Dinge liefen ganz anders, als wir es erwartet hatten. Manche waren einfacher als gedacht, andere deutlich schwieriger. Einige Probleme, vor denen wir Angst hatten, traten nie ein. Dafür kamen Herausforderungen auf uns zu, an die wir vorher überhaupt nicht gedacht hatten.
Rückblickend war das eine unserer wichtigsten Erkenntnisse.
Man kann planen, recherchieren und sich vorbereiten. Aber am Ende wird eine Auswanderung nie genauso verlaufen, wie man sie sich vorher ausmalt.
Wir haben uns und den Kindern zu wenig Zeit gegeben
Besonders beim Thema Sprache und Eingewöhnung haben wir uns selbst und unseren Kindern zu viel Druck gemacht.
Wir wollten möglichst schnell ankommen und möglichst schnell funktionieren.
Heute wissen wir, dass so etwas Zeit braucht.
Gerade beim Erlernen der Sprache haben wir unterschätzt, wie viel Geduld man haben muss. Wir wollten am liebsten, dass alles sofort klappt und jeder sich direkt vollständig integriert.
Doch ein neues Land, eine neue Umgebung und eine neue Sprache brauchen Zeit. Rückblickend hätten wir uns selbst und unseren Kindern deutlich mehr Ruhe geben sollen.
Wir waren zu deutsch
Dieser Punkt klingt vielleicht komisch, aber er beschreibt unsere Situation sehr gut.
Wir sind mit einer sehr deutschen Denkweise in die Türkei gekommen.
Unbewusst haben wir erwartet, dass vieles genauso funktioniert wie in Deutschland. Dass Abläufe gleich sind, Termine genauso eingehalten werden und manche Dinge nach unseren Vorstellungen laufen.
Doch die Türkei ist nicht Deutschland.
Wir haben anfangs zu wenig versucht, uns anzupassen und die Mentalität wirklich anzunehmen. Dadurch haben wir uns manches unnötig schwer gemacht und auch Chancen verpasst.
Erst als wir gelernt haben, die Dinge lockerer zu sehen und uns auf die türkische Lebensweise einzulassen, wurde vieles einfacher.
Wir haben uns viel zu sehr gestresst
Rückblickend haben wir uns wegen vieler Dinge viel zu viele Sorgen gemacht.
Wir wollten alles richtig machen, alles perfekt planen und keine Fehler machen.
Doch genau dieser Druck hat uns oft mehr belastet als die eigentlichen Herausforderungen.
Heute wissen wir, dass viele Probleme mit der Zeit von selbst verschwinden und sich Lösungen oft erst unterwegs ergeben.
Wir haben uns beruflich nicht ausreichend informiert
Auch beruflich waren wir damals nicht gut genug vorbereitet.
Wir haben uns von einigen Online-Angeboten und Versprechungen blenden lassen und nicht alles ausreichend hinterfragt.
Dadurch haben wir Zeit und Energie in Dinge investiert, die am Ende nicht so funktioniert haben, wie wir es uns vorgestellt hatten.
Heute würden wir deutlich genauer prüfen, welche Möglichkeiten wirklich seriös und realistisch sind.
Würden wir es trotzdem wieder tun?
Ganz klar: Ja.
Wir haben Fehler gemacht. Wir haben gezweifelt. Wir haben uns Sorgen gemacht und manchmal Dinge falsch eingeschätzt.
Aber genau diese Erfahrungen haben uns zu den Menschen gemacht, die wir heute sind.
Eine Auswanderung muss nicht perfekt sein.
Man darf Fehler machen. Man darf unsicher sein. Man darf auch einmal scheitern.
Wichtig ist nur, dass man daraus lernt und weitermacht.
Und genau das haben wir getan.
Heute können wir sagen: Trotz aller Fehler würden wir diesen Weg jederzeit wieder gehen.
