Als wir unserer Familie von der Auswanderung erzählten
Nachdem wir die Entscheidung getroffen hatten, in die Türkei auszuwandern, stand der nächste große Schritt bevor: Es unserer Familie und unseren Freunden zu erzählen.
Ehrlich gesagt hatten wir großen Respekt vor diesem Moment. Wir wussten, dass nicht jeder unsere Entscheidung verstehen würde. Schließlich lassen wir nicht nur ein Land hinter uns, sondern auch unser gewohntes Leben, unsere Sicherheit und viele Menschen, die wir lieben.
Meine Eltern haben sich über unsere Entscheidung natürlich sehr gefreut. Gerade mein Vater, der selbst Türke ist, war unglaublich stolz auf uns. Wir haben eine sehr enge Bindung zueinander und auch unsere Kinder haben ein besonderes Verhältnis zu Oma und Opa. Deshalb war die Vorstellung, wieder näher beieinander zu sein, für meine Eltern etwas ganz Besonderes. Sie waren überglücklich über unsere Entscheidung und haben uns von Anfang an unterstützt.
Anders sah es bei meinen Schwiegereltern aus. Auch wenn unser Verhältnis damals wie heute sehr gut ist, fiel es ihnen schwer, unsere Entscheidung nachzuvollziehen. Sie hatten viele Bedenken und machten sich Sorgen um uns und die Kinder. Natürlich spielte auch die Angst eine Rolle, ihre Enkelkinder nicht mehr so oft sehen zu können. Trotzdem wussten sie, dass wir unseren eigenen Weg gehen und unsere Entscheidung gut überlegt hatten. Sie konnten unsere Meinung zwar nicht ändern, haben sie letztendlich aber akzeptiert und uns bei jedem Schritt unterstützt.
Besonders schwer war das Ganze für meine Schwester und vor allem für meine beiden Nichten. Wir hatten schon immer ein sehr enges Verhältnis zueinander. Auch ich habe zu meinen Nichten eine ganz besondere Bindung und genauso verstehen sich unsere Kinder untereinander hervorragend. Wir haben unzählige Stunden gemeinsam verbracht, Familienfeste gefeiert, Ausflüge gemacht und waren ein wichtiger Teil des Alltags des jeweils anderen.
Mit der Auswanderung würde sich das schlagartig ändern. Plötzlich würden nicht mehr nur ein paar Straßen oder wenige Kilometer zwischen uns liegen, sondern ein ganzes Land. Das war für uns alle schwer und besonders für meine Nichten und mich sehr emotional.
Trotzdem haben wir uns für diesen Schritt entschieden. Wir haben uns immer wieder gesagt, dass wir nicht aus der Welt sind. Dank Telefonaten, Videoanrufen und regelmäßigen Besuchen kann man heute auch über größere Entfernungen hinweg Kontakt halten. Natürlich ersetzt das keine gemeinsame Zeit vor Ort, aber es hilft dabei, die Verbindung aufrechtzuerhalten.
Auch unsere Freunde reagierten sehr unterschiedlich. Die meisten haben sich ehrlich für uns gefreut. Viele sagten, wie mutig sie unseren Schritt finden – besonders mit vier Kindern. Einige erzählten sogar, dass sie selbst manchmal von einem Leben im Ausland träumen würden, sich diesen Schritt aber nicht zutrauen.
Natürlich gab es auch kritische Stimmen. Manche hielten uns für verrückt, andere fragten, warum wir Deutschland verlassen wollen. Doch genau diese Reaktionen haben uns gezeigt, wie wichtig es ist, auf das eigene Bauchgefühl zu hören.
Am Ende müssen wir nicht jeden von unserer Entscheidung überzeugen. Wichtig ist nur, dass sie sich für uns richtig anfühlt.
Und genau das tut sie.
War es die richtige Entscheidung?
Natürlich gab es viele Tränen, Zweifel und Gespräche. Einen Teil unserer Familie und unserer Freunde zurückzulassen, war alles andere als leicht. Gerade die Menschen, die uns am nächsten stehen, vermissen wir bis heute.
Trotzdem haben wir uns bewusst für diesen Weg entschieden. Manchmal bedeutet Leben auch, mutig zu sein und seinem Herzen zu folgen – selbst wenn nicht jeder diesen Weg versteht.
Wir wussten, dass wir es irgendwann bereuen würden, wenn wir es nicht zumindest versuchen. Deshalb haben wir den Schritt gewagt.
Heute sind wir dankbar für die Erfahrungen, die wir gemacht haben, die Menschen, die uns unterstützt haben, und für den Mut, unseren eigenen Weg zu gehen.
Wie hätten eure Familie und Freunde auf eine solche Entscheidung reagiert? Schreibt es gerne in die Kommentare.
