Privatschule oder staatliche Schule in der Türkei? Würden wir uns heute anders entscheiden?

Eine der schwersten Entscheidungen nach unserer Auswanderung war die Frage: Privatschule oder staatliche Schule?
Wir haben uns damals für eine Privatschule entschieden. Vor allem, weil wir unseren Kindern den Start in der Türkei so einfach wie möglich machen wollten. Und tatsächlich hat das wunderbar funktioniert. Die Kinder sind unglaublich gerne zur Schule gegangen, haben schnell Freunde gefunden und sich jeden Tag auf die Schule gefreut.
Und ehrlich gesagt: Die Schule war beeindruckend.
Es gab eine Schwimmhalle, eine Eislaufbahn, mehrere Basketballhallen mit Tribünen, Tanzstudios, Musikräume, einen Robotik-Club und sogar einen riesigen Saal wie im Kino für Aufführungen. Auch die Mensa war wie man es aus amerikanischen Filmen kennt – die Kinder bestellten ihr Essen mit Tablets. Für unsere Kinder war das natürlich ein absolutes Highlight, denn so etwas kannten sie aus Deutschland nicht.
Ein weiterer großer Pluspunkt war, dass es dort auch deutschsprachige Kinder gab und sogar Deutschunterricht angeboten wurde. Vor allem die Schulleitung sprach Deutsch, was uns als frisch ausgewanderte Familie unglaublich geholfen hat. Wir konnten alle wichtigen Dinge auf Deutsch besprechen und fühlten uns dadurch sicher.
Außerdem legte die Schule großen Wert auf Englischunterricht, was uns sehr wichtig war. Die Schulzeiten waren länger, meist von 9 bis 17 Uhr, während staatliche Schulen häufig schon gegen 14 Uhr enden. Es wurde einfach unglaublich viel geboten.
Aber es gab auch eine andere Seite
Natürlich waren die Kosten enorm. Nicht nur die Schulgebühren selbst, sondern auch Bücher, Uniformen und das Essen mussten zusätzlich bezahlt werden – und das jedes Jahr aufs Neue.
Wir haben dort wirklich sehr viel Geld gelassen und im Nachhinein haben wir uns oft gefragt, ob diese hohen Kosten wirklich gerechtfertigt waren. Natürlich wollten wir unseren Kindern nur das Beste bieten, aber manchmal haben wir uns gefragt, ob das viele Geld an anderer Stelle vielleicht sinnvoller gewesen wäre.
Rückblickend glauben wir sogar, dass genau die Vorteile gleichzeitig auch ein Nachteil waren.
Unsere Kinder mussten nicht wirklich aus ihrer Komfortzone heraus. Sie hatten deutschsprachige Ansprechpartner, Freunde und konnten sich irgendwie verständigen. Dadurch haben sie unserer Meinung nach die türkische Sprache nicht so schnell gelernt, wie es vielleicht auf einer staatlichen Schule der Fall gewesen wäre.
Und leider gab es auch keine wirkliche Förderung oder Nachhilfe für Kinder, die die Sprache noch nicht beherrschten. Natürlich wäre das auf einer staatlichen Schule wahrscheinlich auch nicht anders gewesen. Trotzdem glauben wir, dass die Kinder dort gezwungen gewesen wären, schneller Türkisch zu sprechen und sich dadurch auch schneller anzupassen.
Trotzdem bereuen wir die Entscheidung nicht
Gerade in den ersten Monaten war die Privatschule für unsere Kinder ein sicherer Hafen. Sie konnten langsam ankommen, Freunde finden und mussten nicht direkt ins kalte Wasser springen.
Für uns als Eltern war es ebenfalls beruhigend, dass wir mit der Schulleitung auf Deutsch sprechen konnten und unsere Kinder sich jeden Tag auf die Schule freuten. Das hat uns in dieser ohnehin stressigen Zeit sehr geholfen.
Würden wir uns heute wieder so entscheiden?
Das ist tatsächlich eine schwierige Frage.
Wenn Geld keine Rolle spielen würde, würden wir uns wahrscheinlich wieder für die Privatschule entscheiden. Die Möglichkeiten, die Angebote und die Ausstattung waren wirklich beeindruckend.
Aber wenn wir heute Preis, Integration und Sprachentwicklung zusammen betrachten, würden wir unsere Kinder wahrscheinlich direkt auf eine staatliche Schule schicken.
Nicht, weil die Privatschule schlecht war – ganz im Gegenteil. Sondern weil wir heute glauben, dass unsere Kinder dadurch schneller angekommen wären, schneller Türkisch gelernt hätten und wir uns gleichzeitig eine Menge Geld gespart hätten.
Mit dem Wissen von heute – und dem Wissen von damals
Mit dem Wissen von heute würden wir uns wahrscheinlich anders entscheiden.
Aber mit dem Wissen, das wir damals hatten, würden wir wieder genauso handeln.
Denn damals wollten wir vor allem eines: unseren Kindern den Start in einem neuen Land so einfach und schön wie möglich machen. Und genau das hat die Privatschule geschafft.
Unser Fazit
Für uns gibt es hier kein richtig oder falsch.
Jede Familie hat andere Prioritäten, andere finanzielle Möglichkeiten und andere Kinder.
Wenn ihr euch eine Privatschule leisten könnt und euren Kindern einen sanften Start ermöglichen möchtet, kann sie eine wunderbare Entscheidung sein.
Wenn ihr aber langfristig denkt und eure Kinder möglichst schnell in die türkische Sprache und Kultur eintauchen sollen, kann auch die staatliche Schule der bessere Weg sein.
Heute würden wir uns vermutlich anders entscheiden.
Aber bereuen tun wir unsere Entscheidung nicht.
Denn unsere Kinder hatten einen wunderschönen Start in ihr neues Leben in der Türkei – und genau das war damals das Wichtigste für uns. ❤️