5 Mythen über das Auswandern in die Türkei – die einfach nicht stimmen

Wer über eine Auswanderung in die Türkei nachdenkt, stößt schnell auf viele Aussagen und Vorurteile. Manche davon stimmen teilweise, andere überhaupt nicht.
Auch wir sind vor unserer Auswanderung mit einigen Erwartungen in die Türkei gekommen – und mussten feststellen, dass die Realität oft ganz anders aussieht.
Hier sind fünf Mythen, die wir immer wieder hören.
Mythos 1: In der Türkei ist alles günstiger
Das ist wahrscheinlich der bekannteste Mythos überhaupt.
Ja, viele Dinge sind günstiger als in Deutschland. Dazu gehören beispielsweise Restaurantbesuche, Obst und Gemüse, Friseurbesuche oder verschiedene Dienstleistungen.
Aber längst nicht alles ist günstiger.
Besonders Elektronik, Smartphones, Computer, Haushaltsgeräte und Autos sind oft deutlich teurer als in Deutschland.
Viele Menschen stellen sich die Türkei noch so vor wie vor einigen Jahren. Die Preise haben jedoch in den letzten Jahren stark angezogen und das Leben ist auch hier deutlich teurer geworden.
Trotzdem können die Lebenshaltungskosten je nach Lebensstil immer noch niedriger sein als in Deutschland.
Mythos 2: In der Türkei spricht jeder Deutsch
Auch das hören wir häufig.
Gerade in Urlaubsregionen wie Kusadasi, Antalya oder Alanya können tatsächlich viele Menschen Deutsch sprechen.
Das liegt vor allem daran, dass diese Regionen vom Tourismus leben und viele Menschen Deutsch durch ihre Arbeit gelernt haben.
Außerhalb dieser touristischen Gebiete sieht es jedoch oft ganz anders aus.
Was viele überrascht: Manche Türken sprechen weder Deutsch noch Englisch.
Deshalb kann es im Alltag durchaus hilfreich sein, zumindest einige türkische Wörter und Sätze zu lernen.
Das macht vieles einfacher und wird von den Einheimischen sehr geschätzt.
Mythos 3: Man braucht nur den Mut zur Auswanderung
Mut ist wichtig.
Aber Mut allein reicht leider nicht.
Für eine Auswanderung in die Türkei benötigt man auch finanzielle Rücklagen.
Allein die Kosten für das Ikamet (Aufenthaltserlaubnis), Versicherungen, Übersetzungen, Notarkosten, Kautionen und viele weitere Ausgaben können schnell mehrere Tausend Euro betragen.
Außerdem muss man für die Aufenthaltserlaubnis bestimmte Voraussetzungen erfüllen und finanzielle Mittel nachweisen können.
Wer glaubt, mit einem kleinen Budget einfach spontan auszuwandern, kann schnell an seine Grenzen stoßen.
Mythos 4: Die Bürokratie ist einfacher als in Deutschland
Viele denken, in der Türkei sei alles unkomplizierter.
Unsere Erfahrung war eine andere.
Man benötigt zwar häufig keine monatelang im Voraus gebuchten Termine wie in Deutschland, dafür sind viele Abläufe oft weniger klar geregelt.
Nicht selten erhält man bei derselben Frage unterschiedliche Antworten.
Manche Entscheidungen werden individuell getroffen und können sich je nach Behörde oder Sachbearbeiter unterscheiden.
Das macht die Bürokratie nicht unbedingt einfacher – sondern oft einfach anders.
Mythos 5: Man lebt jeden Tag wie im Urlaub
Das war wahrscheinlich einer der größten Irrtümer.
Natürlich fühlt sich das Leben am Meer wunderschön an.
Wenn man morgens aufsteht und die Sonne scheint, während andere Menschen im deutschen Winter frieren, fühlt sich das manchmal tatsächlich wie Urlaub an.
Aber auch in der Türkei gibt es Alltag.
Man arbeitet.
Man geht einkaufen.
Man erledigt Behördengänge.
Man kümmert sich um Schule, Kindergarten und Haushalt.
Der Alltag holt einen schneller ein, als man denkt.
Trotzdem gibt es einen großen Unterschied:
Wenn man fast das ganze Jahr Sonne hat und das Meer vor der Haustür liegt, fühlt sich selbst ein normaler Dienstag manchmal ein bisschen nach Urlaub an.
Unser Fazit
Die Türkei ist weder das günstige Paradies, als das sie oft dargestellt wird, noch ist sie so kompliziert, wie manche behaupten.
Wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.
Wer sich gut informiert, realistische Erwartungen hat und offen für eine andere Kultur ist, kann hier ein wunderschönes Leben aufbauen.
Wir würden unsere Entscheidung heute wieder treffen.
Aber wir würden vieles mit einem deutlich realistischeren Blick angehen.
