Unser erster Monat in der Türkei – So hatten wir uns das nicht vorgestellt

Als wir mit unseren vier Kindern in die Türkei ausgewandert sind, hatten wir eigentlich einen ganz anderen Plan für unsere erste Zeit.
Um in Ruhe anzukommen und zunächst Kosten zu sparen, sind wir erst einmal in das Haus meiner Eltern gezogen. Wir wollten uns orientieren, die Gegend kennenlernen und die ersten Wochen einfach genießen.
Zumindest war das der Plan.
Die Realität sah allerdings ganz anders aus.
Wir wollten zu schnell zu viel
Nach vielen Jahren in Deutschland waren wir es einfach nicht mehr gewohnt, mit den Eltern unter einem Dach zu leben. Auch wenn wir uns gut verstanden haben, merkten mein Mann und ich schnell, dass wir unseren eigenen Raum brauchten.
Direkt neben dem Haus meiner Eltern wurde zufällig ein neues Haus frei.
Es war ein Erstbezug, die Miete war angemessen und auf den ersten Blick sah alles perfekt aus. Wir waren begeistert und dachten, wir hätten großes Glück gehabt.
Also entschieden wir uns ziemlich schnell und zogen ein.
Leider stellte sich schon nach kurzer Zeit heraus, dass nicht alles so perfekt war, wie es zunächst schien.
Die ersten Probleme ließen nicht lange auf sich warten
Schon kurz nach dem Einzug bemerkten wir, dass das Haus fast täglich nach Gülle roch.
Jeden Morgen wachten wir auf und wurden von diesem Geruch begrüßt. Für uns war das unglaublich belastend und zog unsere Stimmung immer weiter herunter.
Dazu kamen technische Probleme.
Die Dusche lief nicht richtig ab, einige Anschlüsse funktionierten nicht wie sie sollten und ständig tauchten neue Kleinigkeiten auf, die eigentlich selbstverständlich hätten funktionieren müssen.
Der Vermieter versprach immer wieder, sich darum zu kümmern.
Doch aus den Versprechen wurde wenig.
Wir wurden vertröstet, warteten wochenlang auf Lösungen und ärgerten uns immer mehr.
Statt Urlaubsgefühl gab es Behördenstress
Während wir gleichzeitig versuchten, uns im neuen Zuhause einzuleben, begann der bürokratische Teil der Auswanderung.
Schulanmeldungen.
Aufenthaltserlaubnis (Ikamet).
Versicherungen.
Dokumente.
Behördentermine.
Anträge.
Stempel.
Unterschriften.
Eigentlich hatten wir uns vorgestellt, die ersten Wochen am Strand zu verbringen, die Gegend zu erkunden und langsam anzukommen.
Die Realität bestand allerdings hauptsächlich aus Terminen, Papierkram und Stress.
Wenn ich heute darüber nachdenke, waren wir in den ersten Wochen vielleicht ein einziges Mal am Strand.
Und dabei waren wir doch extra ans Meer gezogen.
Wir haben viel Geld verloren
Ein weiterer Fehler war, dass wir vieles viel zu schnell gekauft haben.
Wir brauchten Möbel, Haushaltsgegenstände und alles Mögliche für das neue Haus.
Anstatt Preise zu vergleichen oder uns Zeit zu lassen, wollten wir alles möglichst schnell erledigen.
Das Ergebnis:
Wir haben deutlich mehr Geld ausgegeben als nötig gewesen wäre.
Dazu kam, dass beim Transport mehrere Dinge beschädigt wurden, was uns zusätzlich geärgert hat.
Heute würden wir vieles anders machen.
Vor allem würden wir uns mehr Zeit nehmen und deutlich besser vergleichen.
Die Kinder waren unsere größte Überraschung
Während wir Erwachsenen gestresst waren, verlief die Eingewöhnung bei den Kindern erstaunlich einfach.
Sie fanden unglaublich schnell Freunde.
Schon nach kurzer Zeit spielten sie mit anderen Kindern aus der Nachbarschaft und lernten ganz nebenbei erste türkische Wörter, Zahlen und kleine Sätze.
Kinder haben oft eine Fähigkeit, um die wir Erwachsene sie beneiden können: Sie leben im Moment und machen sich deutlich weniger Gedanken über Dinge, die noch nicht perfekt laufen.
Das hat uns in dieser Zeit oft beeindruckt.
Vom Traumhaus zum dritten Umzug
Als wäre das alles nicht schon genug gewesen, blieb es nicht bei diesem einen Haus.
Nachdem immer mehr Probleme auftauchten und sich viele Dinge trotz Versprechungen nicht änderten, beschlossen wir schließlich wieder umzuziehen.
Und dabei blieb es nicht.
Insgesamt sind wir in unserer ersten Zeit in der Türkei sogar drei Mal umgezogen.
Jeder Umzug bedeutete erneut Organisation, Kosten, Möbeltransport, Behördengänge und jede Menge Stress.
Rückblickend würden wir uns viel mehr Zeit bei der Wohnungssuche lassen und nicht die erstbeste Gelegenheit nutzen, nur weil sie auf den ersten Blick perfekt erscheint.
Was wir heute anders sehen
Das Verrückte ist: Rückblickend wären wir wahrscheinlich einfach im ersten Haus geblieben.
Damals haben wir jedes Problem als riesiges Problem gesehen. Der Geruch, die Anschlüsse, die ständigen Versprechungen des Vermieters – all das hat uns unglaublich belastet.
Heute wissen wir, dass vieles davon in der Türkei nicht ungewöhnlich ist und manche Dinge einfach anders laufen als in Deutschland.
Wir waren zu diesem Zeitpunkt noch sehr von unserer deutschen Mentalität geprägt.
Wir waren gewohnt, dass Probleme schnell gelöst werden, Termine eingehalten werden und alles möglichst reibungslos funktioniert.
Weil wir die türkische Mentalität und die Gegebenheiten vor Ort noch nicht kannten, haben wir viele Situationen ganz anders bewertet, als wir es heute tun würden.
Wenn wir damals bereits das Wissen und die Erfahrungen von heute gehabt hätten, hätten wir uns wahrscheinlich viel Stress, Zeit und Geld gespart.
Vermutlich wären wir sogar einfach im ersten Haus geblieben und hätten den Dingen etwas mehr Zeit gegeben.
Aber genau das gehört für uns mittlerweile zur Auswanderung dazu: Man lernt vieles erst, wenn man es selbst erlebt.
Unser Fazit nach dem ersten Monat
Unser erster Monat in der Türkei war ehrlich gesagt alles andere als entspannt.
Wir hatten uns Sonne, Meer und einen sanften Start vorgestellt.
Bekommen haben wir Baustellen, Behördenstress, unerwartete Kosten und jede Menge Frust.
Trotzdem war diese Zeit wichtig.
Denn genau diese Erfahrungen haben uns gezeigt, worauf es wirklich ankommt und wie wichtig eine gute Vorbereitung ist.
Viele der Probleme, die wir erlebt haben, sind in der Türkei nichts Ungewöhnliches. Wir wussten es damals einfach nicht besser.
Deshalb unser Rat:
Informiert euch so gut wie möglich, sprecht mit Menschen, die diesen Weg bereits gegangen sind, und holt euch echte Erfahrungen ein.
Das kann euch viel Stress, Zeit und Geld sparen.
Und genau deshalb teilen wir auf diesem Blog unsere Geschichte – mit allen Höhen und Tiefen.
Denn wenn wir auch nur einer Familie helfen können, einige unserer Fehler zu vermeiden, dann hat sich das Schreiben dieses Beitrags bereits gelohnt. ❤️
