Unsere größten Sorgen vor der Auswanderung in die Türkei

Wenn man anderen erzählt, dass man mit vier Kindern in ein anderes Land auswandert, bekommt man oft dieselbe Frage gestellt:
„Hattet ihr keine Angst?“
Und doch, die hatten wir. Sogar sehr viele.
Nach außen wirkte unsere Entscheidung oft mutig und durchdacht. Aber hinter verschlossenen Türen gab es viele Abende, an denen wir uns gefragt haben, ob wir wirklich das Richtige tun. Heute können wir sagen: Viele unserer Sorgen waren völlig normal. Manche haben sich bestätigt, viele andere waren im Nachhinein völlig unbegründet.
Die Sprache
Eine unserer größten Sorgen war die Sprache.
Wir fragten uns ständig, wie wir uns im Alltag verständigen würden. Würden wir alles verstehen? Würden wir Behördengänge schaffen? Würden wir Anschluss finden?
Vor allem machten wir uns Gedanken darüber, wie unsere Kinder mit der neuen Sprache zurechtkommen würden. Schließlich bedeutete die Auswanderung nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch ein komplett neues Umfeld.
Heute wissen wir: Eine Sprache lernt man nicht nur in Kursen. Man lernt sie im Alltag. Durch Nachbarn, Einkäufe, Gespräche und viele kleine Situationen. Natürlich braucht das Zeit, aber es funktioniert viel schneller, als wir es uns vorgestellt hatten.
Die Kinder
Als Eltern macht man sich automatisch die meisten Sorgen um seine Kinder.
Werden sie Freunde finden?
Werden sie sich wohlfühlen?
Werden sie die Entscheidung irgendwann bereuen?
Diese Fragen gingen uns ständig durch den Kopf. Besonders weil unsere Kinder ihr gewohntes Umfeld, ihre Freunde und vieles Vertraute zurücklassen mussten.
Doch oft waren wir Erwachsenen die Unsicheren. Unsere Kinder haben uns immer wieder gezeigt, wie anpassungsfähig Kinder sein können. Sie haben neue Freundschaften geschlossen, neue Erfahrungen gesammelt und sind an den Veränderungen gewachsen.
Die finanzielle Sicherheit
Eine weitere große Sorge war natürlich das Geld.
In Deutschland hatten wir einen geregelten Alltag. Wir wussten, was jeden Monat auf uns zukommt. Mit der Auswanderung verließen wir diese Sicherheit.
Wir fragten uns oft:
Werden wir genug verdienen?
Können wir unseren Lebensstandard halten?
Was passiert, wenn etwas schiefgeht?
Rückblickend war diese Sorge nicht unbegründet. Die ersten Monate waren tatsächlich herausfordernd. Trotzdem haben wir gelernt, dass vieles lösbar ist, wenn man flexibel bleibt und bereit ist, neue Wege zu gehen.
Werden wir uns zuhause fühlen?
Vielleicht war das sogar unsere größte Sorge.
Was passiert, wenn wir ankommen und merken, dass wir uns die Türkei ganz anders vorgestellt haben?
Was passiert, wenn wir Heimweh bekommen?
Was passiert, wenn wir uns nie richtig einleben?
Tatsächlich war vieles anders als erwartet. Manche Dinge waren einfacher, andere schwieriger. Doch genau das gehört zu einer Auswanderung dazu. Kein Land ist perfekt und kein Neustart verläuft genau nach Plan.
Mit der Zeit wurde die Türkei für uns immer mehr zu einem Zuhause.
Würden wir es wieder tun?
Definitiv.
Natürlich gab es Sorgen, Zweifel und schlaflose Nächte. Das gehört zu einer so großen Entscheidung dazu.
Aber heute wissen wir, dass viele unserer Ängste nur in unseren Köpfen größer waren als in der Realität.
Wenn wir eines gelernt haben, dann das:
Man muss nicht mutig sein, weil man keine Angst hat. Man ist mutig, wenn man trotz der Angst seinen Weg geht.
