Warum wir 2025 in die Türkei ausgewandert sind
Wir hatten schon lange den Traum, in die Türkei auszuwandern.
Jahrelang waren wir drei- bis viermal im Jahr in der Türkei, immer am selben Ort und oft für mehrere Wochen. Mein Bruder besitzt dort eine Wohnung, wodurch wir das Land nicht nur als Urlauber kennenlernen konnten, sondern auch einen Einblick in den Alltag bekamen.
Ich selbst bin halb Türkin, spreche aber kaum Türkisch. Trotzdem hatte ich schon so lange ich denken kann den Wunsch, Deutschland und insbesondere Berlin zu verlassen. Als ich Mutter wurde, rückte dieser Traum allerdings in den Hintergrund. Ich dachte, so etwas macht man nicht. Dass es für Familien wie uns einfach unmöglich wäre.
Doch der Gedanke, eines Tages in der Türkei zu leben, verschwand nie.
Über viele Jahre schauten mein Mann und ich gemeinsam Auswanderungssendungen im Fernsehen. Mit jeder Geschichte, die wir sahen, wuchs unser eigener Traum ein Stück weiter. Ich habe mich in Deutschland nie wirklich angekommen gefühlt. Irgendetwas hat mir immer gefehlt.
Der entscheidende Moment kam, als unsere beiden großen Kinder plötzlich selbst den Wunsch äußerten, in der Türkei leben zu wollen. Nach unseren Aufenthalten wollten sie oft gar nicht mehr zurück nach Deutschland. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass es nicht mehr nur mein Traum war. Es war unser Traum geworden.
Sogar mein Mann, bei dem ich nie gedacht hätte, dass er sich ein Leben außerhalb Deutschlands vorstellen könnte, sprach immer öfter davon, dauerhaft in der Türkei leben zu wollen.

Ein Foto kurz vor dem Start unseres neuen Lebens in der Türkei.
Ein weiterer Grund, warum uns die Türkei nie fremd war, sind meine Eltern. Als Rentner verbringen sie mittlerweile den Großteil ihrer Zeit in der Türkei und leben überwiegend dort. Dadurch hatten wir immer einen Bezug zum Land und konnten viele Jahre lang erleben, wie das Leben dort außerhalb eines Urlaubs wirklich aussieht.
Die Eltern meines Mannes waren von unserer Entscheidung natürlich nicht begeistert. Trotzdem waren sie nicht völlig überrascht. Sie meinten nur: „Eigentlich haben wir uns das schon gedacht.“ Sie wussten, wie lange wir von diesem Schritt gesprochen hatten und wie sehr wir uns ein anderes Leben gewünscht haben.
Unsere Geschwister und die meisten unserer Freunde haben sich dagegen sehr für uns gefreut. Viele sagten immer wieder, wie mutig sie diesen Schritt finden – vor allem mit vier Kindern. Oft hörten wir Sätze wie: „Das würden wir auch gerne machen, aber wir trauen uns nicht.“
Und genau das konnten wir verstehen.
Es ist nicht leicht, die Sicherheit aufzugeben, die man in Deutschland hat. Einen festen Job, ein regelmäßiges Einkommen, soziale Absicherung und all die Dinge, die selbstverständlich erscheinen, solange man sie hat.
Natürlich gab es auch skeptische Stimmen. Manche hielten uns für verrückt. Sie fragten uns, wie wir mit vier Kindern in ein Land ziehen können, dessen Sprache wir kaum sprechen. Andere waren überzeugt, dass wir früher oder später zurückkommen würden.
Doch eines hatten alle gemeinsam: Sie wussten, dass sie uns diesen Traum nicht ausreden konnten.
Wir wollten mehr vom Leben.
Wir wollten nicht nur arbeiten, um Rechnungen und Miete zu bezahlen. Wir wollten aus unserem Hamsterrad ausbrechen. Mehr Zeit als Familie verbringen. Mehr erleben. Mehr leben.
2025 war es dann endlich so weit.
Wir planten monatelang und waren überzeugt, gut vorbereitet zu sein. Ich kündigte meinen sicheren Job bei der Deutschen Rentenversicherung, mein Mann seinen Beruf bei der Polizei. Wir verkauften vieles, gaben unser Haus auf und schmiedeten genaue Pläne.
Mit einem Startkapital von etwa 20.000 Euro fühlten wir uns gut aufgestellt. Da wir zunächst keine Miete zahlen mussten, dachten wir, wir könnten in Ruhe ankommen und uns ein neues Leben aufbauen.
Doch wie so oft im Leben kam vieles anders als geplant.
Darauf werde ich in einem anderen Beitrag noch ausführlicher eingehen.
Die letzten Tage in unserem Haus waren verrückt. Nach und nach hatten wir unsere Möbel verkauft. Die Küche war bereits weg, viele Räume waren leer und alles wirkte irgendwie provisorisch. Trotzdem konnten wir den Abreisetag kaum erwarten.



Je leerer unser Haus wurde, desto realer wurde unser Traum von einem Leben in der Türkei.
Vor allem ich nicht.
Wer mich kennt, weiß, dass Geduld nicht gerade meine größte Stärke ist. So viele Jahre hatten wir von diesem Moment geträumt, und nun war er endlich zum Greifen nah. Trotzdem fühlte es sich manchmal noch immer unrealistisch an.
Unsere Vorstellung war ein Leben mit mehr Zeit für die Familie, mehr gemeinsamen Momenten, mehr Freiheit und einer besseren Lebensqualität. Wir träumten von langen Tagen draußen, vom Meer, vom Klima und von einem entspannteren Alltag.
Natürlich hatten wir auch Ängste.
Wir sprachen die Sprache nicht. Außer ein paar einfachen Floskeln konnten wir kaum Türkisch. Mein Mann spricht jedoch sehr gut Englisch, und damit waren wir während unserer bisherigen Aufenthalte immer gut zurechtgekommen.
Trotz aller Unsicherheiten wollten wir diesen Neuanfang wagen. Wir waren bereit, vieles aufzugeben, um unserem Traum eine Chance zu geben.
Im Juni 2025 machten wir uns schließlich mit unserem Auto auf den Weg in die Türkei.
Vier Kinder, über 20 Stunden Autofahrt und unser jüngstes Kind gerade einmal acht Monate alt.
Respekt hatten wir definitiv vor dieser Reise. So lange waren wir noch nie am Stück gefahren. Doch die Vorfreude war größer als jede Sorge.
Und tatsächlich verlief die Fahrt viel besser, als wir erwartet hatten. Unsere vier Kinder haben die lange Reise großartig gemeistert. Wir haben zusammen gelacht, Musik gehört und die Vorfreude auf unser neues Leben wurde mit jedem Kilometer größer.
Es fühlte sich fast wie ein Traum an.
Nach einer Übernachtung im Hotel setzten wir unsere Reise am nächsten Morgen fort. Und dann kam der Moment, auf den wir so lange gewartet hatten.
Als wir die türkische Grenze überquerten, schauten mein Mann und ich uns nur an und mussten lächeln.
Monatelang hatten wir auf diesen Augenblick hingearbeitet. Wir hatten geplant, gehofft, gezweifelt und manchmal auch geweint.
Und plötzlich waren wir angekommen.
Es fühlte sich unwirklich an.
Da war diese riesige Vorfreude, aber gleichzeitig auch die Fragen, die wohl jede Auswandererfamilie kennt: Haben wir wirklich alles richtig gemacht? Werden wir das schaffen? Werden sich die Kinder wohlfühlen? Werden wir uns ein neues Leben aufbauen können?
Damals kannten wir die Antworten noch nicht.
Wir wussten nur eines:
Unser Abenteuer hatte begonnen.
Und was wir damals noch nicht ahnten: Unser Start in der Türkei sollte ganz anders verlaufen, als wir es uns vorgestellt hatten.
